Ich habe die Schnauze voll von der Bürokratie – warum ich mein Unternehmen aus Deutschland verlagert habe
These:
Bürokratie ist kein Nebenschauplatz mehr. Sie ist zur Wachstumsbremse geworden. Wer heute in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ein Unternehmen führt, arbeitet längst nicht mehr für den Kunden, sondern für die Formulare. Ich heiße Alexander, bin 46 Jahre alt, Inhaber eines Maschinenbauunternehmens mit 27 Mitarbeitenden in Rheinland-Pfalz – und ich hatte genug.
Wie es begann
Als mein Vater den Betrieb 1982 gründete, war alles einfacher. Du hast gute Arbeit geleistet, einen fairen Preis verlangt, und wenn du Glück hattest, wurde daraus eine langjährige Kundenbeziehung. Heute? Es fühlt sich an wie ein Kampf gegen das System. Ständig neue Vorgaben, neue Formulare, neue Pflichten – und das Schlimmste: Keiner weiß, was genau richtig ist.
Beispiel gefällig?
Die verpflichtende monatliche EU-Statistikmeldung an das Statistische Bundesamt. Wir exportieren einzelne Maschinenteile nach Österreich und in die Schweiz – oft nur in Kleinstmengen. Trotzdem müssen wir regelmäßig Angaben zu Gewicht, Warennummer, Ursprungsland, Versendungsart und Lieferbedingungen machen. Für jeden Vorgang.
Und wehe, du machst dabei einen Fehler. Dann gibt’s Mahnungen. Dann drohen Ordnungsgelder. Dann steht jemand auf der Matte, der noch nie eine Maschine angefasst hat.
Die Lawine aus Vorschriften
Die Statistikmeldung war nur ein weiterer Tropfen. Danach kam das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Wir sind zwar kein Konzern, aber unsere Kunden schon. Und die leiten ihre Anforderungen durch: Risikoanalyse, Nachhaltigkeitsfragebögen, Lieferantenerklärungen – alles für ein Teil im Wert von 17 Euro.
Hinzu kommen:
- Nachweisgesetz: Jeder Arbeitsvertrag muss minutiös formuliert, archiviert und digital zugänglich gemacht werden.
- Arbeitszeiterfassungspflicht: Auch für Werkstudenten. Auch im Homeoffice.
- DSGVO: Schon 2018 war das ein Bürokratie-Monster. Heute reicht ein falsch gesetztes Cookie-Pop-up, und du bekommst Post vom Abmahnanwalt.
Ich habe 27 Mitarbeitende. Aber gefühlt 3 davon arbeiten nur noch für die Einhaltung von Vorschriften. Das ist kein Unternehmertum mehr. Das ist Verwalten der Verwaltung.
Was es mit mir gemacht hat
Ich war immer jemand, der mit angepackt hat. Für Kunden, für Mitarbeiter, für Innovation. Aber irgendwann ertappte ich mich dabei, wie ich über Formulierungen in einem AGB-Zusatz diskutierte – statt über neue Produktideen. Ich führte mein Unternehmen nicht mehr. Ich verteidigte es gegen ein System, das mich lähmte.
Der Wendepunkt kam, als wir 2023 einen Auftrag aus der Schweiz verloren. Warum? Weil unsere Reaktionszeit zu lang war – verursacht durch interne Rückabstimmungen zur DSGVO-konformen Datenweitergabe. Der Kunde sagte am Telefon: „Eure Technik ist super. Aber euer Prozess ist zu langsam.“
Das tat weh. Mehr als jede Steuerforderung.
Die Entscheidung: Raus hier.
Ich bin kein Aussteiger. Aber ich bin Unternehmer. Und ich wollte wieder gestalten. Also habe ich mir angeschaut, wie andere das machen. Ich sprach mit Kollegen aus der Schweiz, mit Unternehmern in Estland, sogar mit zwei Exil-Deutschen in Dubai.
Alle sagten das Gleiche:
„Wenn du das Spiel nicht mehr mitspielen willst, ändere das Spielfeld.“
2024 habe ich den Schritt gewagt: Ich habe mein Unternehmen in eine GmbH mit operativem Sitz in Dubai überführt. Produktion bleibt in Deutschland, aber Verwaltung, IT und Abrechnung laufen jetzt aus den VAE. Ergebnis?
- Keine Statistikpflicht für Mini-Exporte.
- Keine 1.000-seitigen Ausschreibungsunterlagen.
- Kein Formularwahnsinn bei jeder Mitarbeiteränderung.
Ich bin wieder Chef. Nicht mehr Compliance-Manager.
Aber was ist mit dem Standort Deutschland?
Ich liebe dieses Land. Wirklich. Ich zahle hier Löhne, ich biete hier Ausbildung, ich habe hier meine Familie. Aber ich will mich als Unternehmer nicht länger fühlen wie ein Schüler vor dem Finanzamt-Prüfer.
Wir sind nicht weg. Aber wir sind raus aus dem Wahnsinn.
Ich kann wieder denken, statt reagieren. Ich kann wieder investieren, statt nur zu dokumentieren. Und meine Mitarbeiter? Die danken es mir. Weniger Stress. Klarere Prozesse. Und mehr Fokus auf das, was zählt: Unsere Kunden.
Was du daraus mitnehmen kannst
Nicht jeder muss gleich nach Dubai. Aber jeder Unternehmer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sollte sich fragen:
- Wie viel meiner Arbeitszeit geht für echte Wertschöpfung drauf?
- Wie oft denke ich zuerst an die Auflage statt an den Kunden?
- Wann habe ich das letzte Mal etwas wirklich Unternehmerisches entschieden?
Bürokratie ist kein Zeichen von Gründlichkeit. Sie ist ein Zeichen von Misstrauen. Und Misstrauen erstickt Innovation.
Wenn du dich dabei erwischst, wie du mehr checkst als tust, dann ist es Zeit für eine Entscheidung.
Sprich mit Leuten, die es anders machen.
Sprich mit Mentoren, Auswanderern, Digitalpionieren.
Sprich mit Menschen, die nicht jammern – sondern lösen.
Denn es gibt einen Weg raus.
Ich bin ihn gegangen.
Wenn du auch das Gefühl hast, dass du als Unternehmer nur noch kontrolliert statt unterstützt wirst – dann lass uns reden. Vielleicht ist dein Spielfeld einfach das falsche.