Wenn die Bank nur noch nein sagt – und was du dann tun musst
Es gibt diesen Moment, den jeder Unternehmer kennt. Du gehst zur Bank, in der du seit 15 Jahren dein Geschäftskonto hast, ziehst eine Nummer, setzt dich in diesen halbkühlen Beratungsraum, und dein Sachbearbeiter schaut dich an, als wärst du ein Bittsteller. Vielleicht mit einem schalen Kaffee. Vielleicht mit einem vorgefertigten Nein im Gesicht.
Der Glaube an die Hausbank stirbt zuerst.
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind stolz auf ihre mittelständischen Unternehmen. Sie gelten als das Rückgrat der Wirtschaft. Aber wenn es um Finanzierung geht, werden genau diese Unternehmer immer häufiger im Regen stehen gelassen. Nicht, weil sie schlecht wirtschaften. Sondern weil die Spielregeln sich geändert haben – und keiner ihnen Bescheid gesagt hat.
SmartBusinessFails: Was viele falsch machen
Viele Mittelständler glauben noch immer, dass ihre Bank ein Partner ist. Dass man sich kennt, vertraut, gemeinsam durch dick und dünn geht. Das war einmal. Heute ist dein Sachbearbeiter kein Kumpel mehr, sondern ein Verwaltungsorgan, das Risikoparameter abarbeitet. Deine Kreditlinie wird nicht mehr nach deinem Potenzial bewertet, sondern nach Sicherheiten, Cashflow und Basel-III-Vorgaben.
Und hier passiert der große Fehler:
- Unternehmer denken, ihr guter Ruf reicht. Tut er nicht.
- Sie rennen von Bank zu Bank in der Hoffnung, irgendwo ein "Ja" zu bekommen. Das ist Zeitverschwendung.
- Sie verschleiern ihre Engpässe oder schönen ihre Zahlen, was sofort auffliegt.
- Sie glauben, Sicherheiten seien ein Nebenthema. Tatsächlich sind sie der Dealbreaker.
Wie es sich mit Sicherheiten wirklich verhält
Fakt ist: Banken geben kein Geld, wenn sie nicht wissen, wie sie es im Ernstfall zurückbekommen. Sicherheit bedeutet: Vermögenswerte, die nicht bereits verpfändet sind. Also Immobilien, Maschinen, Lager, Forderungen – am besten unbelastet. Wenn du alles schon einmal verpfändet hast, ist Schluss.
Und: Deine GmbH ist keine Sicherheit. Dein "guter Name" auch nicht. Deine langjährige Kundenbeziehung? Nett, aber irrelevant. Die Bank will Zugriff auf werthaltige Dinge. Punkt.
Warum es keinen Sinn macht, zu vielen Banken zu laufen
Alle Banken haben die gleichen aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Das bedeutet: Ob du zur Sparkasse gehst, zur Volksbank oder zur großen Privatbank – die Bewertungslogik ist dieselbe. Was sich ändert, ist vielleicht die Verpackung, nicht aber die Entscheidung.
Wenn du zehn Banken abklapperst, riskierst du außerdem, dass deine Kreditanfrage in der Schufa oder beim KSV landet. Das senkt deine Bonität – und irgendwann fragt die elfte Bank: Warum haben die anderen abgelehnt?
Welche Alternativen es gibt (und wie du sie nutzt)
Nur weil die Bank nein sagt, musst du dein Unternehmen nicht dichtmachen. Aber du brauchst neue Wege. Hier ein Überblick über seriöse Alternativen:
- Finetrading: Du brauchst kurzfristig Ware, aber willst oder kannst sie nicht sofort zahlen? Ein Finetrader tritt als Zwischenhändler auf, kauft die Ware, du zahlst ihn später zurück – meist 60-120 Tage Ziel. Vorteil: Kein Kredit in der Bilanz, sondern ein Warengeschäft.
- Lagerfinanzierung: Wenn du viel Kapital im Lager gebunden hast, kannst du es über spezialisierte Anbieter beleihen. Dein Lager wird zur Sicherheit. Du erhältst Liquidität, ohne verkaufen zu müssen.
- Sale-and-Lease-Back: Du besitzt Maschinen oder Fahrzeuge? Verkaufe sie an einen Leasinggeber und lease sie sofort zurück. Das bringt dir Liquidität, erhält aber deinen Betrieb.
- Forderungsverkauf (Factoring): Wenn du Forderungen gegen gute Kunden hast, kannst du sie verkaufen. Das gibt dir sofort Geld und reduziert dein Risiko.
- Beteiligungen oder Mezzanine-Kapital: Wenn du skalieren willst, aber keine Sicherheiten mehr hast, sind stille Beteiligungen, Wandeldarlehen oder mezzanine Konstruktionen ein Weg, Eigenkapital-Charakter zu erhalten, ohne Anteile sofort abzugeben.
Rechenbeispiel: Was Geiz bei Konditionen kostet
Ein Unternehmer braucht 250.000 Euro für Wareneinkauf, um ein lukratives Saisongeschäft zu bedienen. Die Bank sagt nein. Ein Finetrader bietet ihm den Deal für 3,5 % Kosten.
Er lehnt ab. Zu teuer, sagt er. Stattdessen bestellt er nur, was er sich leisten kann: 100.000 Euro.
Ergebnis:
- Umsatzpotenzial verfehlt: 400.000 Euro
- Marge entgangen: 80.000 Euro
- "Ersparnis": 8.750 Euro (3,5 % auf 250.000)
Fazit: Wegen 8.750 Euro nicht 80.000 verdient. Willkommen bei SmartBusinessFails.
Handlungsempfehlung
Wenn du merkst, dass deine Bank blockiert, lauf nicht im Kreis. Hol dir einen Experten an Bord, der die Alternativen kennt, mit seriösen Partnern arbeitet und dein Geschäftsmodell versteht.
Und noch etwas: Geld kostet. Aber kein Geld kostet mehr.
Wenn du Input oder Hilfe brauchst, dann lass uns doch mal reden.