Von Likes, Linsen und Langeweile – Wie Business-Netzwerke zur Content-Müllhalde wurden
Von Likes, Linsen und Langeweile – Wie Business-Netzwerke zur Content-Müllhalde wurden - SmartBusinessFails Folge 50

Früher ging man auf Digitale Business Netzwerke, um Geschäftskontakte zu knüpfen. Heute erfährt man dort zuerst, was Klaus aus dem Vertrieb zum Mittag hatte. Und warum er jetzt gendern muss.
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von SmartBusinessFails – dem Realitätscheck für Unternehmer, die sich fragen, wann genau Business-Netzwerke eigentlich zur Bühne für Selbstinszenierung, Empörungsjournalismus und belanglosen Content-Müll verkommen sind.
Spoiler: Es war ein schleichender Prozess. Und du bist längst Teil davon.

Der Anfang vom Ende – Als z.B. LinkedIn zum Lifestyle wurde

Es fing harmlos an. Ein Zitat von Steve Jobs hier, ein Karrieretipp da, ein bisschen Netzwerken am Rande.
Dann kam Corona. Und mit ihr: die große Verzweiflung. Plötzlich waren alle Speaker, Coaches oder Transformations-Gurus.

Allein zu Hause – aber mit Meinung. Und Content. Viel Content. Zu allem.
Was ursprünglich als Plattform für den Business-Kontext gedacht war, mutierte nach und nach zu einer Mischung aus politischem Kleinkrieg, Küchenphilosophie für Anfänger und dem digitalen Tagebuch für alles, was niemanden interessieren sollte.
Und das Tragische daran: Es funktioniert. Es bekommt Likes. Es erzeugt Reichweite. Nur eines fehlt: Sinn.

SmartBusinessFails: Die 5 größten Business Netzwerk-Fails im Jahr 2025

1. Die Mittagessen-Missionare
Wenn dein wichtigstes Learning des Tages darin besteht, wie achtsam du deine Kichererbsen gekocht hast, bist du auf dem falschen Netzwerk unterwegs.
Business Value? Null.
Aber hey – der Bildausschnitt stimmt, das Geschirr sieht aus wie aus dem Influencer-Katalog, und der Hashtag lautet #MindfulLeadership.
Dass du parallel ein Team führst, das sich selbst überlassen wurde, weil du mit Food-Fotografie beschäftigt warst – geschenkt.
Fail: Verwechsle nie persönlichen Ausdruck mit beruflicher Relevanz. Außer du bist Gastro-Coach. Aber dann bitte mit Geschmack.

2. Der Moralkompass mit Nebelwarnung
Business Netzwerke sind mittlerweile der Ort, wo politische Haltungen wichtiger sind als fachliche Kompetenz.
Und zwar nicht, weil sie relevant wären – sondern weil sie Klicks bringen.
Ob Gender-Debatte, Klimakleber oder Geopolitik – der Algorithmus liebt Haltung.
Aber was keiner sagt: Die meisten dieser Postings sind nicht Ausdruck echter Überzeugung – sondern Performance.
Ein Wettbewerb um Aufmerksamkeit, in dem Fakten zweitrangig sind und Differenzierung gar nicht erwünscht.
Fail: Wer z.B. LinkedIn als moralisches Schlachtfeld benutzt, verfehlt seine Zielgruppe und seine Wirkung. Haltung ist gut. Aber bitte mit Substanz. Und Kontext.

3. Die Carousel-Karawane des Grauens
Ein Bild. Noch ein Bild. Und noch eins.
„10 Learnings aus meinem letzten Kundengespräch“
„5 Dinge, die ich über Führung gelernt habe, als mein Hund krank war“
„Warum 3 Uhr morgens die beste Zeit zum Grübeln ist“
Carousel-Posts sind das neue PowerPoint – nur schlimmer.
Sie suggerieren Tiefe, wo keine ist, und wollen zum Nachdenken anregen, ohne selbst gedacht zu haben.
Und sie funktionieren. Warum? Weil wir gelernt haben, dass gute Inhalte sekundär sind – solange die Verpackung stimmt.
Fail: Wer sein Wissen in Klickhäppchen zerstückelt, muss sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird.

4. Die Danke-Community-Ich-habe-es-verdient-Postings
Kürzlich befördert? Eine neue Stelle? Ein Award?
Kein Problem. Poste einfach ein Selfie, bedanke dich bei allen, die an dich geglaubt haben, und runde es ab mit dem Satz:
„Ich bin so stolz, diesen Weg gegangen zu sein.“
Die Gratulationen rollen, die Herzchen fliegen – aber was du eigentlich tust, bleibt unklar.
Denn um Inhalte geht es hier nicht. Es geht um Imagepflege.
Ein CV in Echtzeit – fürs Publikum.
Fail: Wer sich selbst dauervermarktet, ohne echten Mehrwert zu liefern, ist nicht sichtbar, sondern durchschaubar.

5. Der 3-Wort-Post
“Führung. Vertrauen. Mut.”
“Menschen. Werte. Wandel.”
“Es reicht.”
Das ist kein Inhalt. Das ist ein Kalenderspruch mit Business-Schleife.
Aber auch das bringt Reichweite. Denn der Algorithmus liebt Reibung. Und Kommentardebatten.
Nur: Was bringt es dir als Unternehmer?
Nichts, wenn du nicht verkaufst, nicht führst, nicht rekrutierst – sondern einfach nur sendest.
Fail: Wer denkt, Aufmerksamkeit sei ein Geschäftsmodell, hat das Business aus dem Netzwerk verbannt.

Warum wir das alles mitmachen

Die eigentliche Frage ist: Warum konsumieren wir das? Warum machen wir mit?
Weil wir süchtig sind nach Aufmerksamkeit.
Weil der Algorithmus uns konditioniert hat.
Weil wir denken, dass Sichtbarkeit automatisch Wirkung bedeutet.
Und weil es leichter ist, ein Statement zu posten, als echte Verantwortung zu übernehmen.
Denn echter Content braucht Erfahrung, Klarheit, Mut zur Relevanz und manchmal auch: Stille.
Aber Stille bringt keine Likes.

Was Business-Netzwerke eigentlich sein sollten

Ein Ort für Austausch. Für Expertise. Für wertvolle Diskussionen.
Ein Spiegel der realen Herausforderungen von Unternehmern, Entscheidern, Machern.
Ein Platz, an dem Wissen auf den Punkt gebracht wird – ohne Schaum, ohne Drama, ohne Filter.
Was wir aber haben, ist ein großer digitaler Jahrmarkt. Jeder schreit. Jeder tanzt. Jeder will gesehen werden.
Und dabei gehen genau die unter, die eigentlich etwas zu sagen hätten.

Und was heißt das jetzt für dich als Unternehmer?

Ziemlich einfach:
Lass dich nicht blenden.
Nur weil jemand Reichweite hat, heißt das nicht, dass er Relevanz hat. Frage dich immer: Was bringt mir dieser Inhalt wirklich?
Wähle deine Plattform bewusst.
Muss wirklich jeder Gedanke geteilt werden? Oder reicht es manchmal auch, einfach gute Arbeit zu machen?
Fokussiere dich auf Wirkung, nicht auf Applaus.
Deine Kunden zahlen nicht für deinen LinkedIn-Erfolg – sondern für deine Fähigkeit, Probleme zu lösen.
Wenn du Inhalte teilst – dann bitte mit Substanz.
Denk nicht nur an den Algorithmus, denk an den Menschen, der’s liest.
Reflektiere dein eigenes Verhalten.
Bist du schon Teil des Problems? Oder Teil der Lösung?

Wenn du willst, dass dein Content verkauft – statt nur gefällt

Dann brauchst du mehr als hübsche Worte. Du brauchst Klarheit, Relevanz, und manchmal jemanden, der dich daran erinnert, worum es eigentlich geht: Business.
Und ja – vielleicht brauchst du auch jemanden, der dir hilft, aus der Content-Tretmühle auszusteigen.
Der dich daran erinnert, dass strategische Sichtbarkeit nicht bedeutet, jeden Tag etwas posten zu müssen – sondern das Richtige, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Absicht.

Fazit: Business Netzwerke sind nicht kaputt – aber du darfst entscheiden, wie du es nutzt

Das Netzwerk ist nur ein Werkzeug.
Du kannst damit glänzen – oder dich lächerlich machen.
Du kannst echte Beziehungen aufbauen – oder dich im Lärm verlieren.
Was du daraus machst, liegt an dir.
Aber wenn du spürst, dass du in einem Meer aus Banalitäten untergehst – dann ist es vielleicht Zeit für einen anderen Kurs.
Wenn du Input oder Hilfe brauchst, dann lass uns doch mal reden.